Susann Rosemann

Autorin

Das Geheimnis der Alchemistin



von Susann Rosemann



Erschienen bei Eyfalia Publishing.




Inhalt:


Heidelberg / Pfalz 1399:

Matti wächst als Findelkind auf einer Burg im Pfälzer Wald auf. Ihre Ziehmutter, Josefa, hat als Hebamme das Mädchen entbunden. Für ihre Verschwiegenheit und dafür, dass Josefa das Kind aufzieht, wurde sie von der Mutter großzügig entlohnt. Ihrer Ziehtochter gegenüber behauptet Josefa, nichts über deren Herkunft zu wissen.
Das Mädchen rebelliert; sie übt sich lieber im Schwertkampf statt in weiblichen Tugenden. Ihre wahre Leidenschaft aber lebt sie heimlich. Gemeinsam mit ihrem Lehrer, dem Alchemisten Albert, betreibt sie das Studium der Alchemie und Pharmazie. Er prophezeit ihr eine Zukunft als große Wissenschaftlerin.
Doch Matti soll auf Betreiben ihrer Ziehmutter den Burgherrn heiraten und bekommt so Gewissheit, dass Josefa ihr etwas bezüglich ihrer Herkunft verschweigt. Matti weigert sich, die Ehe einzugehen, denn heimlich liebt sie Philipp, den Sohn des Burgherrn. Sie folgt dem Rat des Alchemisten und flieht nach Heidelberg. Dort will sie, als Mann verkleidet, an der Universität studieren.
Josefa aber hat ihre eigenen Pläne mit Matti und reist ihr mit Philipp hinterher.

 

 


Leseprobe:

 

 

Prolog


Josefa blickte auf, als die Rufe eines Mannes das Knarren im Gebälk übertönten. Der Regen trommelte gegen die geschlossenen Holzläden ihres Burgzimmers. Der Wind hatte aufgefrischt und pfiff wieder kräftiger durch die Ritzen. Über all die Geräusche hinweg durchschnitt ein Peitschenknall die Nacht.
Wer kann das sein, um diese Uhrzeit?, dachte sie, und bei diesem Wetter? Das Flämmchen der Öllampe flackerte im Lufthauch, den ihre Kleider erzeugten, als sie sich zum Fenster drehte. Sie schob den Riegel nach oben und öffnete die Läden, die mit einem Knall gegen den steinernen Rand der Fensteröffnung schlugen. Der Sturm fuhr ihr ins Gesicht, die kalten Tropfen stachen auf der Haut. In der nächtlichen Dunkelheit konnte sie erkennen, wie ein geschlossener Reisewagen in die Vorburg einfuhr.
Ein heruntergekommenes Gefährt, dachte sie, als ein Blitz kurzzeitig stumpfes Holz, eine löchrige Plane und die Silhouette von zwei Pferden sichtbar machte. Das ist kein gutes Zeichen.
Erneut zuckte ein Blitz über den Himmel, spiegelte sich auf der nass glänzenden Wehrmauer der Burg. Josefa bekreuzigte sich flüchtig. Die Tropfen wurden dichter, fanden sich in stetigem Prasseln auf dem Boden zu immer größer werdenden Pfützen zusammen. Mit vorgebeugtem Oberkörper, die Hände auf dem Fenstersims aufgestützt, beobachtete sie, wie ein Mann einer Frau an der hinteren Schmalseite aus dem Gefährt half. Er stützte seine Begleiterin, als sie über den Hof zur Zugbrücke liefen, die in das innere Burgareal führte.
Es ist eine Kundin, dachte Josefa, als sie den gewölbten Leib der Frau erkannte. Jetzt blieb die Schwangere stehen, den Körper vor Schmerz verkrümmt.
„Höchste Zeit, meine Gute“, murmelte Josefa vor sich hin, zog die Holzläden zu und verriegelte sie wieder. „Es hätte nicht geschadet, schon früher herzukommen.“ Sie schüttelte entschieden den Kopf. „Die Kindlein kommen gerne zu solch unwirtlichen Gelegenheiten, von keinem Unwetter lassen sie sich aufhalten.“ Sie machte sich auf den Weg über die knarrende Stiege nach unten. „Wir werden sehen, wie ich dir helfen kann.“
Im Untergeschoss angekommen, rief sie dem Wachmann zu, er solle die Tür öffnen. Der Ritter erhob sich, um den Riegel emporzuheben und den Besuch wie befohlen einzulassen. Die zwei Gestalten, die sich an ihm vorbei ins dämmrige Innere schoben, sahen erbärmlich aus in ihren völlig durchnässten Kleidern. Die Frau trug einen Umhang aus teurem Stoff, auch wenn er in diesem Zustand nichts hermachte. Sie stöhnte. Ihr Begleiter nickte mit einem hilflosen Blick, froh, die Verantwortung bald abgeben zu können.
„Ihr seid die Hebamme, von deren Fähigkeiten in Heidelberg jeder, der es wissen muss, spricht?“
„Mag sein. Könnt ihr zahlen?“
Die junge Frau krümmte sich erneut im Schmerz einer Wehe. „Helft mir“, presste sie hervor, „es soll Euer Schaden nicht sein.“
Josefa verschränkte die Arme vor der Brust. „Sagt mir Euren Namen. Ich garantiere Verschwiegenheit. Ich behandle keine, von der ich nicht weiß, wer sie ist.“ (...)

 



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